Bedrohung von Menschenaffen durch Menschen

Gorilla ROUTUTU - Tierpark München "Hellabrunn" / © Heike Arranz Rodriguez
Gorilla ROUTUTU - Tierpark München "Hellabrunn" / © Heike Arranz Rodriguez

Alle „Menschenaffen“ sind akut vom Aussterben bedroht. - Vor allem weil wir Menschen unaufhörlich den Lebensraum von Primaten zerstören!

 

Extrem ist dies im südostasiatischen Raum zu sehen, wo der Orang-Utan lebt. Die IUCN spricht von einer Bestandsgröße von nur noch etwa 6600 Individuen und stuft diese Tiere als „vom Aussterben bedroht“ ein.

 

Der Mensch dringt immer mehr "ohne Rücksicht auf Verluste" in die Gebiete der Primaten ein. Bei den Orang-Utans liegt der Grund vor allem in der Gewinnung von Palmöl. Man rodet ganze Wälder und errichtet dann Plantagen. In Afrika bei den Gorillas und Schimpansen ist es die Suche nach Coltan, Öl oder Diamanten.

 

Immer mehr Menschen wollen diese Tiere in den Zoos sehen oder aber als Haustiere in den Armen halten. Dabei sind für die Tierfänger nur die Jungtiere interessant. Bei dieser Jagd wurden/werden ganze Familienverbände getötet um an ein Jungtier zu gelangen. Wir haben angefangen uns „ferne Welten“ und vor allem exotische Tiere "gleich um die Ecke" zu halten. 

 

Obwohl wir Primaten als Menschenaffen bezeichnen, behandeln wir diese bei weitem nicht als unseres Gleichen. In Afrika steht „Bushmeat“ (Affenfleisch) noch immer auf dem Speiseplan. Kann man dies der afrikanischen Bevölkerung zur Last legen? Ich bin der Meinung – „nein“. Gerade wir in Europa erheben unseren Zeigefinger und verurteilen dies. Dabei sollte uns bewusst sein, dass wir mit Tieren in unseren Schlachthöfen noch viel schlimmer umgehen. 

Einer der ersten Gorillas in deutschen Zoos war BOBBY. Er wurde ca. 1926 in Afrika geboren und kam über einen Tierhändler 1928 im Alter von 2 Jahren nach Berlin. BOBBY starb am 1. August 1935 an einer Blinddarmentzündung. BOBBY wurde präpariert und man kann ihn noch heute im Museum für Naturkunde im Berlin sehen. BOBBY war also nie richtig ausgewachsen. In den Medien schreibt man: „Unter der Obhut von Pfleger August Liebetreu entwickelte sich BOBBY zu einem ansehnlichen, ausgewachsenen Gorilla mit einem Körpergewicht von 262 Kilogramm.“ 

Ohne Zweifel hatte man den Gorilla falsch ernährt. Und was hat man in all den Jahren gelernt? – Noch heute würden die meisten Menschen/Zoobesucher Gorillas mit Bananen und süßen Obst "füttern". In den Zoos weiß man heute jedoch, wie die richtige Ernährung von Primaten aussieht. 

 

Viele Primaten sind noch heute in den Zoos schwer traumatisiert. Einige weisen Verhaltensstörungen auf. Man weigert sich vehement den Tieren eine Persönlichkeit anzuerkennen. Wann immer ein Tier nicht in das Konzept eines Zoos passt, ringt man um fadenscheinige Erklärungen oder „versteckt sich hinter dem Begriff der Wissenschaft“.

Orang Utan BRUNO † - Münchner Tierpark "Hellabrunn" / © Photo: Heike Arranz Rodriguez
Orang Utan BRUNO † - Münchner Tierpark "Hellabrunn" / © Photo: Heike Arranz Rodriguez

Ich bin der Meinung, dass wir Menschen "menschlicher" werden müssen und Primaten sollten wieder "Primaten" sein dürfen. Ziel muss es sein, dass Menschenaffen nicht mehr abgeschoben werden oder über Jahre oder Monate allein leben - womöglich noch in Sichtweite für die Artgenossen. Das ist in meinen Augen einfach „unmenschlich“. Was haben uns die Tiere getan, damit sie dies verdient haben? Nur weil sie nicht in unser Konzept passen oder aber keinen "süßen Nachwuchs" mehr produzieren.

 

Einigen Tieren entzieht man regelrecht ihre Würde und degradiert sie zur Sache. Sie haben keine Rechte und nur die Pflicht uns Menschen zu unterhalten. Vor allem in Deutschland weigert man sich noch immer reine Männergruppen bei den Gorillas zu präsentieren. Tiere, die nicht ins Zuchtkonzept passen werden in andere Zoos verfrachtet. Nicht selten ohne sie vorher zu sterilisieren oder zu kastrieren. >>> Petition zur Kastration bei Gorillas

 

In vielen Zoos werden Primaten in viel zu engen Käfigen zur Schau gestellt. Zum Beispiel im Zoo Straubing bei den Schimpansen. Der Zoo rechtfertigt sich damit, dass die Tiere die Wahl hätten auf ein Außengelände zu wechseln. Wenn man aber tagtäglich mit Süßigkeiten von seitens der Zoobesucher beworfen wird und als Schimpanse gelernt hat den Menschen aus der Hand zu fressen, erübrigt sich die These nach irgendeiner Wahl.

 

Einige Schimpansen sind schon auf Außengehegen in den Zoos ums Leben gekommen, weil sie wegen den Verlockungen seitens vieler Zoobesucher erlegen sind. So vertrat man bis vor kurzem in den Zoos die These, dass Primaten recht wenig für das Element Wasser übrig hätten. Da wir Zoobesucher gerne die Tiere ohne Barrieren sehen möchten, ging man dazu über als Grenze zwischen Tier und Mensch Wassergräben zu ziehen. Dies kostete einigen Tieren das Leben. Primaten können nicht schwimmen. Primaten lieben es aber im Wasser zu spielen und wissen nicht, welche Gefahr das Wasser mit sich bringt.

 

1994 erschien ein Grundlagenbuch, das vor allem in den Zoos für Aufregung sorgte. Immer wieder wird behauptet, dass Paola Cavalieri und Peter Singer mit dem Buch "Equalitiy Beyond Humanity" aus dem Goldmann-Verlag "Menschenrechte für Menschenaffen" fordern. Leider gab es dabei einen Übersetzungsfehler ins Deutsche. Paola Cavalieri und Peter Singer, die das Buch „Equalitiy Beyond Humanity“ im Goldmann-Verlag heraus brachten, hatten dies nicht im Sinn, sondern "Grundrechte für Menschenaffen". 

 

Grundrecht eines Menschenaffen ist in meinen Augen "frische Luft", Gras unter den Füßen, Klettermöglichkeiten und vor allem dass er sich von uns Menschen zurückziehen und mit seinesgleichen leben kann. 

Schimpanse im Heidelberger Zoo / © Heike Arranz Rodriguez
Schimpanse im Heidelberger Zoo / © Heike Arranz Rodriguez

 

Leider decken sich nicht immer die Interessen der Zoos mit den Bedürfnissen der Tiere. In vielen Zoos steht noch immer die Wirtschaftlichkeit bei der Haltung von Primaten an erster Stelle. Es gibt teils sehr gute Ansätze (Frankfurt, Leipzig oder Rostock), doch viele Gehege entsprechen eben nicht den Anforderungen der Tiere. Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten. Gerade in den Wintermonaten müssen die Tiere eng zusammenrücken. Stets sind sie den Blicken der Zoobesucher ausgesetzt. Sie durchleben Traumatisierungen immer wieder. 

Brauchen wir wirklich gefangene Botschafter in Zoos, wenn wir die Natur inzwischen so lebhaft in Film oder virtueller Realität bestaunt werden können? Es gibt Zoologen, die genau dieser Meinung sind. Im September 2014 besuchte ich einen Vortrag im Nürnberger Tiergarten. In der anschließenden Diskussionsrunde sagte Dr. Encke Folgendes: „Manche Tiere sind nun einmal Loser und sie werden auch immer Loser bleiben“. 

 

Viele Menschen halten sich scheinbar für die "Krönung der Schöpfung". Uns ist nicht bewusst, dass wir Menschen genauso wie Tiere gegen Krankheiten, Naturkatastrophen und Kriege "machtlos" sind. Wir alle sind Bewohner eines wunderschönen Planeten, der uns alles gibt was wir brauchen. Wir müssen nicht stehlen, zerstören, plündern und ausrotten. 


Text/Photos: Heike Arranz Rodriguez