Zookritik Eisbären

KNUT im Berliner Zoo
KNUT im Berliner Zoo

Bei seiner Geburt im Dezember 2006 löste Eisbär KNUT einen Hype um Eisbären in Zoos aus. 

Während Eisbären in der Natur ums Überleben kämpfen, gibt es jedes Jahresende den Blick nach Berlin. 

Zoofans hoffen seit dem Tod von KNUT allerdings vergebens auf eine Fortsetzung. 2017 stirbt Nachwuchs FRITZ im Alter von 4 Monaten. 2018 ein namenloses Eisbärenjunges nach 26 Tagen. 


LARS  im Rostocker Zoo
LARS im Rostocker Zoo

Jeder kennt das Buch "Lars, der kleine Eisbär". Aber kaum jemand kennt die traurige Geschichte von Eisbär LARS, dem Vater von KNUT.

Am 12. Dezember 1993 wird LARS im Münchner Tierpark geboren. LARS stammt aus Inzucht. Die ersten Monate verbrachte er mit Mutter LISA in einem winzigen Gehege neben der Hauptanlage, die noch heute für die Aufzucht von Robben in München dient. Sein Vater MICHI ist auf der Hauptanlage zu sehen. Zur Fütterung darf er zeigen wie groß er ist, indem er "Männchen macht". Im Alter von 2 Jahren muss LARS München verlassen und zieht in seinem Zooleben 7 Mal um. Eisbärin TOSCA, die in Canada/Natur geboren wurde und bis in die späten 90iger im DDR-Staatszirkus auftrat gebar 2006 Zwillinge. Eines der Kinder starb kurz nach der Geburt, das andere wurde "von Hand aufgezogen" - KNUT. Obwohl bekannt war, dass Inzucht-Bären vermehrt "Gendefekte" in sich tragen, war der Vater LARS. KNUT starb 2011, nach Angaben des Zoos an einer Virusinfektion. Wer sich den Todeskampf von KNUT ansieht, hat jedoch Zweifel daran. 

LARS & VILMA im Wuppertaler Zoo
LARS & VILMA im Wuppertaler Zoo

Wer jetzt denkt, dass das Leiden von LARS ein Ende hat, hat sich geirrt. LARS zeugte nach KNUT noch zwei weitere Kinder. ANORI im Wuppertaler Zoo und FIETE im Rostocker Zoo. 

LARS verbrachte sein Zooleben meistens auf sehr kleinen Betonanlagen. Er lief "stereotyp" hin und her mit teils sogar geschlossenen Augen. Seine Schritte schienen wie abgezählt. 

2015 wechselte er nach Aalborg/Dänemark. In einem kleinen Gehege mit Sicht auf einen jungen Bären und seiner Mutter verstarb er am 18. September 2017. Sogar Eisbärenfans gingen die letzten Monate auf die Barrikaden. Sie befürchteten den Tod von LARS aufgrund der schlechten Haltungsbedingungen. 


Eisbär FELIX in Rhenen
Eisbär FELIX in Rhenen

Eisbär FELIX ist der Vater von Eisbärin FLOCKE. Normalerweise sind Eisbärenmänner Einzelgänger, doch was ich 2016 in Rhenen zu sehen bekam, machte mich fassungslos. 

FELIX lebte in einem extrem kleinen Gehege mit winzigen Wassergraben. In unmittelbarer Nachbarschaft eine weitere Eisbärin, mit der er angeblich züchten sollte. Doch damit nicht genug, gleich hinter dem Gehege war eine große Außenanlage. In dieser Anlage lebte eine Eisbärenmutter mit ihrem Nachwuchs (Zwillinge). 

Eisbären wie FELIX dienen nur zur Zucht und werden von einem Zoo in den anderen "gekarrt". Die Bären leiden kurz nach den Umzügen oft an Schwindelanfällen, da sie mit Kränen auf Lastwägen gehievt werden. 

FELIX ist 2016 indes "weitergehievt" worden, er lebt jetzt in Leeuwarden. 

Als seine Söhne GREGOR und ALEUT von Mutter VERA "entwöhnt" wurden hat man im Tiergarten Nürnberg beide Bären immer wieder "ruhig gestellt". Beide Bären leben zudem auf einer sehr kleinen Anlage im Warschauer Zoo, der eigentlich die Eisbärenhaltung schon aufgegeben hatte. 

 


Eisbärin VILMA im Wuppertaler Zoo
Eisbärin VILMA im Wuppertaler Zoo

Keine Eisbärin zeigte so schlimmes stereotypes Verhalten wie VILMA. Sie lief mehrere Stunden am Tag auf und ab und warf dabei den Kopf in den Nacken. 

Klar auf Beton sieht man nicht die auf und abgelaufenen Wege. Nahezu jeder Eisbär zeigt "Stereotypes Verhalten". Angeblich gäbe es Studien dazu seitens der Zoos. Wenn doch, dann wird dieses Verhalten (das Eisbären in der Natur nicht zeigen) bagatellisiert. Eisbärin VILMA stirbt wenige Wochen nach ihrem Umzug von Rostock nach Aalborg. Die Todesursache wird nach Monaten immer noch nicht öffentlich bekannt gegeben. 


Eisbär VERA im Tiergarten Nürnberg
Eisbär VERA im Tiergarten Nürnberg

Eisbären haben auch in den Zoos einen großen Bewegungsdrang. Sie schwimmen wie in Trance an die Scheiben, stoßen sich ab und wiederholen diesen Vorgang oft Stunden lang. 

Viele Zoobesucher meinen, die Bären würden mit ihnen "spielen". Überhaupt wissen Zoobesucher recht wenig über das "natürliche  Verhalten" von Eisbären.

 

Eisbärin VERA hat Stress und kompensiert dies mit dem eben beschriebenen Verhalten. Die weißen Scheiben sind der Versuch eine Sichtbarriere zu errichten. Dabei sind der Geruchssinn und das Gehör der Tiere wesentlich ausgeprägter. 


Eisbär im Berliner Zoo
Eisbär im Berliner Zoo

Viele Zoobesucher stellen Eisbären ihren Nachwuchs als "Knut" und "Flocke" vor. Gebetsmühlenartig werden immer wieder Erinnerungen "ausgekramt". Eisbären haben mit Abstand die größte Fangemeinde in den Zoos. Oft müssen die Eisbären für völlig "weltfremde" Dinge herhalten. Sie sind plötzlich Eishockey oder Fußballfans oder halten Einzug in eine "Hall of Fame".


Eisbär im Stuttgarter Zoo
Eisbär im Stuttgarter Zoo

Da Eisbären Allesfresser sind, verschmähen sie auch nicht das, was in die Gehege fällt. So mancher Bär frisst Fotozubehör, Taschen, ... 

Nach dem qualvollen Tod von Eisbär ANTON in Stuttgart stellt man in seinem Magen Teile eines Rucksack, eine Puppe und eine Jacke fest. 

Der Zoo erhält Kondolenzschreiben, sogar Eisbär-Kollegin CORINNA schreibt eine Trauerkarte. Der Zoo spricht von einer Ausnahme, so würden Eisbären "Schnuller & Co." als "Spielzeug" ansehen, zerfetzen und die Reste ausscheiden. 


Der Rostocker Zoo galt lange Zeit für das Mekka der Eisbären in den Zoos. Als Zuchtbuchführer bestimmte man lange welche Eisbären zusammen durften oder eben nicht. 

Als in den Rostocker Zoo LARS kam, griff der männliche Eisbär CHURCHILL seine langjährige Partnerin VIENNA an und fügte ihr eine tiefe Bisswunde zu (Foto). Seine letzten Jahre verbrachte CHURCHILL auf der "kleinsten Eisbären-Anlage" in Deutschland.

Eisbär CHURCHILL
Eisbär CHURCHILL

Er wurde 34 Jahre alt und litt unter Arthrose wie viele schwere Tiere, die Jahrzehnte auf Beton lebten. 

 

Wie meistens bei Säugetieren sind die ersten Eisbären in Zoos Wildfänge. Einige Tiere sind im DDR-Staatszirkus aufgetreten. Eisbären hielt man in den Anfangszeiten in "Rudeln" oder zog sie mit der "Flasche" groß. 

Vergesellschaftungen von männlichen Tieren mit ihrem Nachwuchs ist nur in sehr wenigen Zoos geglückt und widerspricht der Natur. Dennoch gibt und gab es Versuche, die Tiere zu "vergesellschaften". 

 


Seit den 80iger Jahren sind gut 70 erfolgreiche Eisbärengeburten in deutschen Zoos gelungen. Da man inzwischen nicht genug Haltungen in Europa hat, versucht man in den letzten Jahren vermehrt männliche Tiere miteinander zu vergesellschaften. Modernere Anlagen mit Grasflächen oder Ausbau der bestehenden Anlagen werden jedoch nur verwirklicht, wenn die Zucht an erster Stelle steht. 


Alle Fotos und Texte: 

© Heike Arranz Rodriguez