Gorillas in Zoos und ihre Geschichte

 

Der Engländer George Wombwell präsentierte 1855 vermutlich den "ersten Gorilla in Europa". In "Wombwell's Travelling Menagerie" konnte ein junges weibliches Tier namens JENNY lediglich 7 Monate "zur Schau gestellt" werden. Damals traf "zur Schau gestellt" zu, denn sie musste Mädchenkleidung tragen und wurde nicht wissenschaftlich untersucht. Aufgrund ihrer geringen Größe hielt man sie für einen Schimpansen. Wombwell hatte bei seinen "Tiertransporten" immense Verluste. Indem er die Kadaver an Tierpräparatoren verkaufte, machte er seine Verluste wieder wett.

 

M'PUNGU war der zweite Gorilla, der Europa lebend erreichte. Ab Juli 1876 wurde er vor allem im Berliner Aquarium Unter den Linden öffentlich zur Schau gestellt. Zum ersten Mal wurden anatomische- und Verhaltensstudien an einem Gorilla in Europa durchgeführt. Am 13. November 1877 verstarb M'PUNGU und wurde ausführlich seziert. Die Todesursache wurde mehrfach korrigiert. Im Jahr 1890 erschien in der dritten Auflage von Brehms Tierleben (Band 1, S. 71) ein lakonischer Nachruf: „Ein Verlust für die Wissenschaft wenigstens nicht mehr zu beklagen. Was an ihm zu beobachten war, hatte reichlich beobachtet werden können, und sein Körper gab außerdem noch Gelegenheit, alle Organe bis in die feinsten Details zu studieren.“ Der Brockhaus bezeichnete M'PUNGU als "eines der scheußlichsten Geschöpfe" dieser Erde. 

Wer sich für seine Geschichte interessiert, dem empfehle ich folgende Bücher: "Unheimliche Nähe" und "Master Pongo" von Mustafa Haikal. 

 

Am 30. März 1928 traf dann ein ca. 2 Jahre alter und 15 kg schwerer Gorilla aus Afrika im Berliner Zoo ein. -BOBBY. Völlig verfettet durch falsche Ernährung starb er am 1. August 1935 im Alter von 9 Jahren. Noch heute ist er übrigens das Wappentier des Berliner Zoos. Eine Plastik von ihm wurde angefertigt und kann noch immer im "Berliner Museum für Naturkunde" besichtigt werden. Ein ausgewachsener Silberrücken bringt es heute auf ca. 180 kg in den Zoos, bei seinem Tod brachte BOBBY unglaubliche 262 kg auf die Waage. Auch im Frankfurter Zoo erhielt man Gorillas aus Afrika, diese starben jedoch nach wenigen Jahren und brachten keinen Nachwuchs auf die Zoowelt. 

 

In den späten 50iger Jahren bis in die 60iger Jahre hinein begann dann ein wahrer "Hype" auf Gorillas in Afrika. Viele Afrikaner sahen darin eine lukrative Möglichkeit an Geld zu kommen und betätigten sich gezielt bei der Jagd auf Gorillas. Um in den Zoos später selbst Geburten präsentieren zu können, wurden die ausgewachsenen geschlechtsreifen Tiere einfach so eng zusammen gesperrt, dass es zwangsläufig zu Zeugungsakten kam. Das Ganze nannte man dann Zucht. In Europas Zoos herrschte lange Zeit Unkenntnis über die Lebensweise von Gorillas. Man weigerte sich Dian Fosseys Studien anzuerkennen. Bis weit in die 80iger Jahre hinein wusste man zum Beispiel über die Beschäftigung und Ernährung kaum etwas. Weißbier und Hammelfleisch bekam Gorilla FRITZ vorgesetzt, als er 1966 bis 1970 im Tierpark München lebte. 

 

Verantwortung oder gar Reue empfinden viele Zoos bis heute nicht. "Es sei einfach damals so gewesen" argumentieren damalige Zeitzeugen noch heute. 

So erwähnt der „VdZ“ (Verband der Zoologischen Gärten e. V.) mit keinem Wort, dass die zwei 1969 in den Kölner Zoo gekommenen Berggorillas „COCO und PUCKER“ über einen europäischen Tierhändler „in Auftrag gegeben wurden“. Da heißt es noch immer, dass die beiden Gorillas ein Geschenk der ruandischen Regierung an den Kölner Zoo waren.

 

Mitte der 60iger Jahre begann Dian Fossey mit ihren Langzeitforschungen. Ihre Ergebnisse wurden auf der ganzen Welt publik. In den Medien stellte sie ein ganz anderes Bild von Gorillas vor. Fossey kämpfte gegen Wilderer und für die Erhaltung des ruandischen Nationalparks. Immer wieder mobilisierte sie all ihre Kräfte, um die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Schutz der Gorillas notwendig sei. Ihre Studien waren bei Zoologen und Wissenschaftlern sehr umstritten. Die Aufzucht von Gorillas aus den 60iger, 70iger und sogar noch in den 80igern hinein bestimmte vor allem der Mensch. Man nahm vielen Müttern die Gorillababys weg und zog sie mit der Flasche auf. In Folge dessen hatten viele Gorillas in Zoos es nie gelernt, wie man mit eigenem Nachwuchs umgeht. Nach der Geburt kümmerten sie sich nicht um ihre Babys.

 

Im Basler Zoo wurde am 23. September 1959 zum ersten Mal ein „Gorilla unter Menschenhand“ geboren - GOMA. Eine Überraschung, denn Mutter ACHILLA hielt man lange Zeit für einen männlichen Gorilla. GOMA wurde vom Basler Zoodirektor Ernst Lang und seiner Frau "mit der Hand aufgezogen".

Auf Einladung von Dian Fossey erhielt der Zoologe Jörg Hess einen Einblick ins Familienleben der Gorillas. Das veränderte auch das Leben der Gorillas in den Zoos. GOMA wurde erfolgreich in die bestehende Gorillagruppe integriert. Sie brachte 1971 einen Sohn zur Welt, den sie sogar selbst aufzog. Bis zu ihrem Tod im Juli 2018 beteiligte sich GOMA aktiv bei der Erziehung von Gorillakindern im Basler Zoo. 

 

Der Basler Zoo in der Schweiz entdeckte als einer der ersten Zoos, wie wichtig es ist Gorillas zu beschäftigen. Das sogenannte „Enrichment“ hielt Ende der 80iger Jahre Einzug in die europäischen Zoos. Mittlerweile lassen sich alle zoologischen Gärten in Europa oder den USA „etwas einfallen“ gegen die Langeweile im Zooalltag der „sanften Riesen“. 

 

Mit der zunehmenden Kritik von Tierrechtlern begann mit der Zeit ein Umdenken in den Zoos, so regelt seit 1990 nun ein "Europäisches Zuchterhaltungsprogramm" - das EEP die Koordination von Gorillas in Zoos.

Auf Wildfänge ist man glücklicherweise heute nicht mehr angewiesen. 

Paola Cavalieri und Peter Singer forderten 1994 zum ersten Mal „Grundrechte für Menschenaffen“. Sie kritisieren die Haltung von Primaten in Zoos. Sie plädieren, dass Primaten „intelligente Wesen mit einem reichen und vielschichtigen sozialen und emotionalen Leben sind“ und nicht für ein Leben im Zoo bestimmt.

 

Die Haltung von Gorillas in Zoos wird immer "artgerechter". Nur noch wenige Zoos haben zum Beispiel kein Außengehege. Die Kritik an der Haltung von Gorillas will aber dennoch nicht abebben. Der Psychologe Colin Goldner stellte vor einigen Jahren bei seinen Besuchen in deutschen Zoos fest, dass die Tiere mit „Valium“ und anderen Psychopharmaka „behandelt“ werden. 

 

Gorillas "unter menschlicher Obhut" werden inzwischen deutlich älter als ihre Artgenossen in der Natur. Aus den anfänglichen Fehlern in der Haltung von Primaten hat man seine Lehren gezogen. Leider kommt es aber noch immer zu vielen Fehlgeburten und unerklärlichen Todesfällen. Trotz der Verbesserungen in der Haltung leiden viele Tiere an "massiven Ängsten". Sie verletzen sich selbst oder Artgenossen. Das Bestreben der Zoos sollte es sein, dass die Tiere sich vor allem von den Zoobesuchern zurückziehen können, wenn von ihnen gewünscht. Dazu bedarf es jedoch viele "marode Anlagen" zu sanieren.

Beim Neubau des Stuttgarter Affenhauses hat man versucht, dass sich die Gorillas den Blicken der Besucher entziehen können. Die Gorillas können die meiste Zeit frei wählen, ob sie in der Innenanlage verbringen oder auf der Außenanlage. 

Im Rostocker Zoo hat man zudem einer der modernsten Innen-Anlagen für Gorillas gebaut, um seinem einzig verbliebenen Gorilla ASSUMBO die Möglichkeit zu geben, doch noch in einer Gorillafamilie zu leben.

 

Da mehr „männliche“ als „weibliche“ Gorillas in den Zoos geboren werden und in jeder Gruppe nur ein ausgewachsener Silberrücken akzeptiert wird, sehe ich hier eine große Herausforderung auf die deutschen Zoos zukommen. Bisher gibt es allerdings in keinem deutschen Zoo die Haltung von sogenannten „Junggesellen“. In vielen anderen europäischen Zoos hat sich die Haltung von ausgewachsenen Silberrücken bewährt. 

 

Neue Wege geht auch der Münchner Tiergarten. Nach dem Tod von ROTOUTU im Herbst 2014 hat man zwei von Menschen aufgezogene Jungtiere in eine Gorillafamilie integriert. Dadurch leben nunmehr keine Gorillababys mehr im "Gorillakindergarten in Stuttgart". Nach dem Weggang von BAGIRA, der Gorillafrau die nach dem Tod des Silberrückens den Part des Familienoberhauptes übernommen hatte, konnten TANO und OKANDA erfolgreich in die Gruppe integriert werden. Inzwischen leben die beiden mit der etwa gleichaltrigen NAFI und zwei älteren Damen zusammen. 

 

Eine sehr gute Entscheidung traf der Kölner Zoo 2015 nach dem Ableben von Gorilla KIM. Die Gruppe durfte sein jüngster Sohn übernehmen. KITO behauptete sich erfolgreich. Belohnt wurde dies bereits mit Nachwuchs. 

 

In der Haltung von Gorillas gibt es viele spannende Aufgaben zu bewältigen. Eine Auswilderung der Tiere ist leider nicht möglich. Ziel sollte es sein, den Tieren eine „artgerechte“ Haltung in einer für sie besten Anlage (Rückzugsmöglichkeiten, Naturböden, Klettermöglichkeiten, …) zu ermöglichen, in der die Gorillas ihre Persönlichkeit ausleben können.

 

Einige Zoos in Deutschland und vor allem in Europa haben dies schon erkannt, andere sind auf einem guten Weg dahin. Leider „hinken“ aber auch viel zu viele Zoos „meiner Meinung nach“ noch immer hinterher. 

 


Fotos/Text: Heike Arranz Rodriguez