Zookritik Gorillas

Viele Gorillas haben Verhaltensstörungen. Sie reißen sich die Körperbehaarung heraus. Dieses Verhalten wurde von mir im Krefelder Zoo bei MASSA beobachtet (Foto), im Zoo Schmiding bei WAZUNGU oder SONJA im Münchner Tiergarten. 

Oft sind Zoobesucher die Ursache für dieses Verhalten. Da wird gegen die Scheiben geklopft oder den Tieren in die Augen gestarrt. An Glasscheiben werden die Tiere "geküsst" oder man zeigt ihnen "nackte Brüste". Kaum andere Zootiere werden so häufig provoziert wie Gorillas in Zoos. 

 


Gorillas wurden über mehrere Monate isoliert "hinter den Kulissen" gehalten, sogar mit Sichtkontakt zu den Artgenossen.

Über 9 Monate wurde zum Beispiel VIRINGIKA (Foto mit Tochter KIBARA) im Leipziger Zoo getrennt gehalten. Ihr Verhalten gegenüber Gorillanachwuchs war der Anlass. Sie musste den Leipziger Zoo letztendlich verlassen.  

 


 

Aus leichten Wunden, die für gewöhnlich sehr schnell bei Gorillas verheilen wird aufgrund der Haltungsbedingungen (Betonböden) eine "schwere Verletzung". 


Gorillas, die keine Kinder machen sollen, werden kastriert. ZUNGU im Basler Zoo ist so ein Beispiel gewesen. Er und sein Vater erkrankten an einem Fuchsbandwurm. ZUNGU wurde kastriert, was ihn aufblähen ließ. Kurz nach dem Tod seines Vaters musste er sich die letzten Lebensmonate noch an einen neuen "Silberrücken" gewöhnen, der ihm schwer zusetzte und mehrere tiefe Wunden zufügte.  ZUNGU starb im Alter von nur 11 Jahren.


Einer der traurigsten Geschichten ist die von KIKI. Sie wurde im Heidelberger Zoo geboren. Verbrachte jedoch die ersten Lebensmonate zum Teil in der Universitätsklinik Heidelberg. KIKI hatte immer wieder epileptische Anfälle und ihre Mutter nahm die Kleine nicht an. Nach ein paar Monaten im "Gorillakindergarten Stuttgart" integrierte man sie wieder in die Heidelberger Gruppe. Nur zu ihrem Vater BOBO bestand jedoch eine Bindung. Dort setzten ihr aber sogar die Kleinsten (Foto) immer wieder zu.

 

Dann keimte Hoffnung auf, KIKI zog um in den Zoo Antwerpen. Dort gewöhnte sie sich schnell ein und schloss sogar "Gorilla-Freundschaften". Dann verstarb KUMBA, der Silberrücken der Gruppe und man setzte sehr schnell einen Neuen ein. Dieser riss KIKI einen Arm durch ein sogenanntes "Schmusegitter" ab. KIKI wurde in einer aufwendigen OP der Arm amputiert. Wenige Wochen später verstarb sie 2016 jedoch im Antwerpener Zoo. 


MAMBELE ist eine Gorillafrau, die bei uns in Deutschland "unrühmlich" bekannt wurde. Sie hieß JOSEY und gebar 2 Babys im Zoo Hannover. Allerdings kümmerte sie sich nicht um ihre Babys. Silberrücken BUZANDI warf eines ihrer Babys an eine Steinwand. MAMBELE wurde kastriert und lebt heute im Antwerpener Zoo. Angeblich soll lt. Zooaussagen dort noch immer mit ihr gezüchtet werden. 


 

Es kommt immer wieder vor, dass Gorillababys von ihren Müttern nicht angenommen werden. Ihre Gorillamütter haben nie gesehen, wie man mit Jungtieren umgeht. So zum Beispiel VANA (Bild) und TEBOGO im Wuppertaler Zoo. Beide Jungtiere wurden erfolgreich in der "Wilhelma" aufgezogen.


 

Gorilladamen werden immer später Mutter oder Mutter von Zwillingen. Die Jungtiere sind dadurch anfälliger für Erkrankungen und sterben oft kurz nach der Geburt. So zum Beispiel mehrfach im Frankfurter Zoo.


 

Die sehr eigenwillige und von Menschenhand aufgezogene LENA im Tiergarten Nürnberg wurde wiederholt mit Psychopharmaka behandelt. LENA ist ein Wildfang aus Afrika. Reiche Damen hatten sie in Auftrag gegeben für den Saarbrückener Zoo. LENA wurde nie Mutter und in ihrem Zooleben mehrfach sehr schwer verletzt von einem Gorillamann. Sie hat "menschliche Züge" angenommen. So neigt sie zur Eifersucht, zeigt kein Interesse an einem Gorillamann und ist eher "unberechenbar" im Umgang mit anderen Gorillas. 


Gorillas nehmen Eigenarten von uns Menschen an. Ein Beispiel ist BIANKA im Tiergarten Nürnberg. Auch sie wurde in Afrika geboren. "Gekauft" wurde sie für den Tierpark Berlin. BIANKA "lutscht" noch mit 40 Jahren am Daumen, wenn sie gefüttert wird. Sie nähert sich auch anderen Gorilladamen von vorne und reibt sich an ihnen. Sie wurde nie Mutter und interessiert sich mehr für Menschenkinder. 


In Innengehegen gibt es kaum grüne Pflanzen, höchstens um das Innengehege herum. Der Beton ist abgeplatzt. Oft gibt es kein Tageslicht. Feuerwehrschläuche dienen als Lianen. Die Böden sind aus Beton und setzen den Gelenken und Extremitäten zu. Oft betonen Zoos sie wären Botschafter für Natur und Tiere. Dabei wirken die Gehege dunkel, trist und heruntergekommen und bei weitem keinem Regenwald. 


VIMOTO und ROSELI erkrankten sehr schwer. In aufwendigen Operationen wurde beiden Tieren letztendlich doch geholfen. Beide Tiere gelten als Zuchttiere bei denen sich die aufwendige Behandlung auszahlen soll. ROSELI beißt sich seit Jahren immer wieder in den Fuß. Sie trug deshalb auch längere Zeit ein Gipsbein. 


 

So mancher Gorilla würde sich am liebsten verstecken, doch die Gehege sind so gestaltet, dass der Zoobesucher von allen Seiten in das Gehege sehen kann. 

 

 

 

 


Fotos/Text: Heike Arranz Rodriguez